Übergewicht und Adipositas sind inzwischen globale Gesundheitsprobleme, die das Risiko für zahlreiche chronische Krankheiten erhöhen und die Lebenserwartung signifikant negativ beeinträchtigen können.
Insbesondere die, heutzutage übliche, ständige und günstige Verfügbarkeit von energiereichen, hochkalorischen Lebensmitteln und Getränken mit hohen Anteilen an gesättigten Fettsäuren und einfachen Kohlenhydraten (Zucker) und der häufig hohe Anteil an industriell verarbeiteten Lebensmitteln trägt zu dieser Epidemie bei. Zusätzlich verschärft sich die Situation noch dadurch, dass die meisten Menschen sich heutzutage deutlich weniger bewegen als noch vor 40-50 Jahren und damit die Energiebilanz auf der „Verbrauchsseite“ verschlechtern.
Mittlerweile sind ca. 60% der erwachsenen Deutschen übergewichtig oder adipös (fettleibig); in den USA sind es sogar gut zwei Drittel. Laut der Deutsche Adipositas-Gesellschaft verkürzt deutliches Übergewicht die Lebensdauer um etwa 5 Jahre; die Gesundheitsspanne (gesunde Lebensjahre) wird vermutlich sogar noch drastischer reduziert.
Wissenswertes zu Übergewicht und seinen schweren Folgen für die Gesundheit
Metabolische Störungen und Erkrankungen
- Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes: Übergewicht, insbesondere die Ansammlung von Fett im Bauchbereich (sog. viszerales Fett), führt zu einer erhöhten Freisetzung von freien Fettsäuren in die Blutbahn, die die Insulinwirkung in den Zellen beeinträchtigen und die Glukosetoleranz verringern. Die chronische Hyperglykämie schädigt im Laufe der Zeit Organe und Systeme, was zu diabetischen Komplikationen wie Nierenschäden, Sehverlust und peripherer Neuropathie führt. Adipöse Menschen haben ein ca. neunfach erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken.
- Fettstoffwechselstörungen: Die Dysregulation des Fettstoffwechsels, gekennzeichnet durch erhöhte Triglyceride und LDL-Cholesterin sowie vermindertes HDL-Cholesterin, fördert die Entstehung atherosklerotischer Plaques in den Arterien. Dies erhöht das Risiko für koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfall.
Herz-Kreislauf-System
- Hypertonie: Das zusätzliche Körpergewicht erhöht das Blutvolumen und den Widerstand in den Blutgefäßen, was den Blutdruck steigert. Chronisch hoher Blutdruck belastet das Herz und beschädigt die Blutgefäßwände, was die Entwicklung von Herzinsuffizienz und anderen kardiovaskulären Erkrankungen begünstigt.
Gelenke und Bewegungsapparat
- Osteoarthritis: Die zusätzliche mechanische Belastung der Gelenke durch Übergewicht beschleunigt den Verschleiß des Knorpels, besonders in gewichtstragenden Gelenken wie den Knien. Dies führt letztlich zu Schmerzen, Steifheit und Bewegungseinschränkungen.
Atemwegserkrankungen
- Asthma: Adipositas ist mit einer chronischen Entzündung verbunden, die nicht nur den Stoffwechsel beeinträchtigt, sondern auch die Atemwege beeinflussen kann. Entzündliche Zytokine können die Hyperreaktivität der Atemwege verstärken, was zu Asthma führen kann.
Krebsrisiko
- Verdauungstraktkrebs: Übergewicht erhöht das Risiko für Krebsarten des Verdauungstrakts, einschließlich Darm-, Leber- und Gallenblasenkrebs. Die Mechanismen umfassen Entzündungen, Insulinresistenz und hormonelle Veränderungen, die das Zellwachstum fördern.
Psychologische und kognitive Auswirkungen
- Kognitive Beeinträchtigung: Forschungen deuten darauf hin, dass Adipositas mit Veränderungen in der Gehirnstruktur verbunden ist, die kognitive Funktionen beeinträchtigen können. Übergewicht wird mit einem reduzierten Volumen in bestimmten Gehirnregionen in Verbindung gebracht, was die kognitive Leistungsfähigkeit ebenfalls beeinträchtigen kann.
Reproduktive Gesundheit
- PCOS und Unfruchtbarkeit: Übergewicht kann hormonelle Ungleichgewichte verschärfen, die zu PCOS führen, einer häufigen Ursache für Unfruchtbarkeit bei Frauen. PCOS ist durch Zysten in den Eierstöcken, unregelmäßige Menstruationszyklen und Insulinresistenz gekennzeichnet.
Lebensqualität und Alltagsfunktion
- Eingeschränkte Mobilität: Übergewicht kann die Fähigkeit, alltägliche Aktivitäten und Übungen auszuführen, einschränken, was zu einem Teufelskreis aus Inaktivität und weiterer Gewichtszunahme führen kann.
Prävention und Management chronischer Krankheiten
- Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten: Eine Ernährung, die reich an Vollkornprodukten, Gemüse, Obst und mageren Proteinen ist, kann helfen, Übergewicht zu reduzieren und das Risiko für chronische Krankheiten zu senken.
Diese tiefergehende Analyse unterstreicht die Notwendigkeit eines multidisziplinären Ansatzes zur Behandlung und Prävention von Übergewicht, der nicht nur auf Gewichtsreduktion abzielt, sondern auch auf die Verbesserung der metabolischen Gesundheit und die Verringerung der Risiken für begleitende Krankheiten.
Methoden zur Messung/Bewertung von Übergewicht
Body-Mass-Index (BMI)
Der Body-Mass-Index (BMI) ist eine weit verbreitete Methode zur Beurteilung von Übergewicht und Adipositas. Er berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern (kg/m²).
Kategorien:
- Untergewicht (BMI unter 18,5): Ein Zustand, der Hinweise auf Mangelernährung und damit einhergehende Gesundheitsrisiken aufweist.
- Normalgewicht (BMI 18,5 bis 24,9): Der Bereich, der gemeinhin als gesundheitlich am besten angesehen wird.
- Übergewicht (BMI von 25 bis 29,9): Ein Zustand, bei dem eine Person mehr Körpergewicht hat, als als gesund angesehen wird.
- Adipositas Grad I (BMI von 30 bis 34,9): Ein erhöhtes Niveau von Übergewicht, das bereits mit erhöhten Gesundheitsrisiken verbunden ist.
- Adipositas Grad II (BMI von 35 bis 39,9): Schweres Übergewicht mit einem hohen Risiko für chronische Gesundheitsprobleme.
- Adipositas Grad III (BMI über 40): Auch als morbide Adipositas bekannt, stellt dieses Niveau ein ernsthaftes (auch kurzfristiges) Gesundheitsrisiko dar.
Grenzen der Aussagekraft des BMI:
- Muskelmasse: Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse. Eine sehr muskulöse Person kann einen hohen BMI haben, ohne übergewichtig im Sinne von zu viel Körperfett zu sein.
- Körperbau: Menschen mit demselben BMI können aufgrund unterschiedlicher Körperbautypen eine unterschiedliche Körperfettverteilung und damit ein anderes Risikoprofil haben.
- Alter und Geschlecht: Der BMI berücksichtigt nicht das Alter oder Geschlecht, welche die Körperzusammensetzung wesentlich beeinflussen können.
Alternative Methoden zur Beurteilung des Körpergewichts
Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis:
- Diese Messungen geben Aufschluss über die Verteilung des Körperfetts und das Risiko für metabolische Krankheiten. Ein erhöhter Taillenumfang oder ein hohes Taille-Hüft-Verhältnis ist mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes verbunden.
- Bei Männern wird ein Bauchumfang ab 102 cm und bei Frauen ab 88 cm als kritisch angesehen.
- Das Taille-Hüft-Verhältnis (WHR) wird ermittelt, indem man den Bauchumfang in Zentimeter durch den Hüftumfang in Zentimeter teilt. Als ungünstig und gesundheitlich bedenklich gelten bei Männern Werte ab 0,9 und bei Frauen ab 0,85.
Körperfettanteil:
- Der Körperfettanteil misst direkt die Menge des Fettgewebes im Vergleich zur Gesamtkörpermasse. Methoden zur Bestimmung des Körperfettanteils umfassen Hautfaltenmessungen, Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) und DEXA-Scans (Dual-Energy-X-Ray Absorptiometry).
- Für die Bewertung des Körperfettanteils und dem korrespondierenden Gesundheitsrisiken sollte sowohl Geschlecht (Frauen haben i.d.R. evolutionär einen höheren, gesunden Fettanteil) als auch Alter mit berücksichtigt werden.
- Als ganz grobe Richtwerte lässt sich sagen, dass ein gesunder Körperfettanteil bei Frauen in der Regel unter 30 % (besser unter 25 %), bei Männern unter 25 % (besser unter 20 %) liegt.
DEXA-Scan:
- Ein DEXA-Scan bietet eine detaillierte Bildgebung und Analyse der Körperzusammensetzung, einschließlich Knochenmineraldichte, Fettmasse und fettfreier Masse. Es gilt als eine der genauesten Methoden zur Bestimmung des Körperfettanteils.
Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA):
- BIA misst den elektrischen Widerstand des Körpers, um die Körperzusammensetzung abzuschätzen. Obwohl es eine bequeme und schnell durchführbare Methode ist, kann die Genauigkeit durch Hydratationsstatus und andere Faktoren beeinflusst werden.
Hautfaltenmessung:
- Bei dieser Methode werden Hautfalten an verschiedenen Stellen des Körpers gemessen, um den Körperfettanteil zu schätzen. Die Genauigkeit hängt von der Erfahrung des Messenden und der Konsistenz der Messungen ab.
Jede dieser Methoden hat ihre eigenen Vor- und Nachteile sowie Genauigkeitsgrade. Die Auswahl der geeignetsten Methode hängt von den spezifischen Zielen der Beurteilung und den verfügbaren Ressourcen ab. Oft wird eine Kombination dieser Methoden verwendet, um ein umfassendes Bild der Körperzusammensetzung und des Gesundheitszustands zu erhalten.
10 Tipps zur Vermeidung/Bekämpfung von überflüssigen Pfunden
- Ausgewogene Ernährung: Konzentriere dich auf eine nährstoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und mageren Proteinen.
- Regelmäßige Bewegung: Integriere tägliche körperliche Aktivität in dein Leben, um Kalorien zu verbrennen und den Stoffwechsel zu fördern.
- Portionskontrolle: Achte auf Portionsgrößen, um eine übermäßige Kalorienaufnahme zu vermeiden. Alternativ/zusätzlich kann Intervallfasten ein gewinnbringender Ansatz zur Kalorienkontrolle sein.
- Wasser trinken: Ersetze zuckerhaltige Getränke durch Wasser und ungesüßten Tee, um Kalorien zu sparen und die Hydratation zu fördern.
- Schlafqualität verbessern: Sorge für ausreichend Schlaf, da Schlafmangel das Hormongleichgewicht stören kann und damit das Risiko für Gewichtszunahme erhöht.
- Stressmanagement: Reduziere Stress durch Techniken wie Meditation, Yoga, Achtsamkeitsübungen oder tiefes Atmen, da Stress zu ungesunden Essgewohnheiten führen kann.
- Intelligente Snack-Auswahl: Wähle gesunde Snacks wie Früchte, Nüsse oder Joghurt, um den Hunger zwischen den Mahlzeiten zu stillen.
- Vermeidung von Fast Food: Reduziere den Konsum von Fast Food und verarbeiteten Lebensmitteln, die reich an Kalorien, Fett und Zucker sind.
- Setze realistische Ziele: Setze dir erreichbare Gewichtsverlustziele und feiere deine Fortschritte. Ca. 500 Gramm pro Woche gelten gemeinhin als gesund und gut machbar.
- Suche Unterstützung: Ziehe in Betracht, eine Unterstützungsgruppe zu besuchen oder die Hilfe eines Ernährungsberaters oder Trainers zu suchen.
Fazit
Das Verständnis der Arten von Übergewicht und deren Auswirkungen auf die Gesundheitsspanne und Langlebigkeit ist der erste Schritt zur Umkehrung dieser Trends. Durch die Umsetzung der oben genannten Tipps kannst du positive Veränderungen in deinem Leben vornehmen, die nicht nur dein Gewicht, sondern auch deine allgemeine Gesundheit und dein Wohlbefinden verbessern.
Quellenverzeichnis
- „Obesity and overweight“ – World Health Organization
- „Obesity News“ – American Heart Association
- „Adipositas und Typ-2-Diabetes (Update 2023)“ – Wiener Klinische Wochenschrift
- „Obesity and Cancer“ – National Cancer Institute
- „How Fat Affects Osteoarthritis“ – Arthritis Foundation
- „Adipositas und dessen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit“ – socialnet.
- „Weight Loss and Sleep“ – Sleep Foundation
- „New WHO report: Europe can reverse its obesity “epidemic”“ – World Health Organization
- „Folge- und Begleiterkrankungen“ – Deutsche Adipositas-Gesellschaft
- „Bauchumfang entscheidend für das gesundheitliche Risiko“ – Bundeszentrum für Ernährung


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